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Diabetes- Laufkampagne Berlin 2014

Körperliche Aktivität und Sport spielen sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation eine wesentliche Rolle. Der Einstieg in die sportliche Betätigung und das Laufen kann auf ganz unterschiedlichen Ebenen geschehen. Ganz nach den Wünschen und Möglicheiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es kann mit einen gemütlichen Walk- Programm beginnen, oder auch direkt ins Diabetes Programm Deutschland. Hauptsache, ein Anfang ist gemacht.

Wir sammeln in den kommenden Wochen Interessentinnen und Interessenten. Daher übermitteln Sie uns bitte Ihre Absicht, bei der Diabetes- Laufkampagne mitzumachen. Je größer der Kreis der Interessenten wird, desto passgenauer können wir Ihnen dann ein Angebot machen.

Derzeit gehen wir davon aus, dass es jeweils eine Laufgruppe bzw. Walkgruppe in Charlottenburg (Schloßpark), Weißensee und auf dem Tempelhofer Feld geben wird. Wir stimmen derzeit die Rahmenbedingungen ab.  Sie können sich also schon mit dem Hinweis auf die Lauforte melden. Finden sich genügend Läuferinnen und Läufer finden, werden wir weitere Gruppen hinzufügen.

Auf einer ersten Informationsveranstaltung Anfang 2014 können Sie sich dann ein noch besseres Bild von der Diabetes Laufkampagne machen. Melden Sie sich unverbindlich bei uns an.

Hier finden Sie unseren aktuellen Diabetes.Reha.Sport Flyer

Hier geht's direkt zu unseren Angebotes Diabetes- Rehasport

Hier können Sie uns gleich eine Nachricht zukommen lassen

Blindenfußball- wie alles begann

Blindenfußball in Deutschland – Wie alles begann (Text und Fotos Reinhard Tank)

Mit dem ersten Internationalen Blindenfußballturnier am 26. und 27. Mai 2006 in Berlin begann die Geschichte des Blindenfußballs in Deutschland. Hier gab es bisher keinen organisierten, vereinsangebundenen Blindenfußball wie etwa in Südamerika, England oder Spanien. Um dies zu ändern, haben Vertreter des Sozialverbands Deutschland (SoVD), des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) in Zusammenarbeit mit dem Behinderten-Sportverband Berlin (BSB) und der Hartl + Tank GbR Ideen für eine Etablierung des Blindenfußballs in Deutschland entwickelt, und die Austragung eines ersten repräsentativen, internationalen Turniers in Berlin, den International Blind Challenge Cup (IBCC) organisiert. Dieser fand im Mai 2006 statt. Zu Gast waren Brasilien (Gold bei den Paralympics 2004 in Athen) und die drei besten Mannschaften der Europameisterschaften 2005 in Málaga/Spanien: Spanien, Frankreich, England. Die Teams spielten um den 1. Berliner IBCC-Pokal, der als ausgewiesener Wanderpokal symbolisch für die zukünftige Fortführung von Blindenfußballturnieren in Deutschland steht. In einem Endspiel der punktbesten Mannschaften des Turniers, Brasilien (sechs Tore) und Spanien (vier Tore), gewann Spanien mit 1:0. Frankreich landete auf dem dritten Platz. Der IBCC stand unter der Aufsicht von vier lizenzierten Schiedsrichtern der IBSA aus England, Frankreich, Griechenland und Spanien.

Nach diesem offiziellen Kick-Off in Berlin gründeten sich bis heute an mittlerweile 12 Trainingsstandorten eigene Fußball-Teams. Nach und nach nahmen blinde Sportler in Tübingen, Mainz, Stuttgart, Würzburg, Dortmund, Essen, Berlin, Chemnitz, Marburg und in Hamburg ein regelmäßiges Training auf. Bereits im März 2007 fand in Tübingen das erste deutsche Hallenblindenfußball-Turnier statt, an dem sechs Teams (Mainz, Tübingen, Würzburg, Dortmund, Marburg, Hamburg) sich erstmals maßen. Die Kicker aus Dortmund besiegten im Finale die Gastgebermannschaft Tübingen und errangen den Turniersieg. Den bronzenen Pokal sicherte sich das Team aus Mainz. Die Plätze vier bis sechs gingen an Marburg, Hamburg und Würzburg.

Den ersten richtig großen Vergleich im deutschen Blindenfußball gab es am 26. Mai 2007 in Neumünster. Genau ein Jahr nach dem offiziellen Startschuss im Blindenfußball trafen alle bisher trainierenden Mannschaften Deutschlands im Rahmen des sogenannten Licht-Kick-Turniers in Schleswig-Holstein aufeinander. Besonderheit hierbei war, dass erstmals ein Turnier unter freiem Himmel ausgespielt wurde. Es handelte sich schon um eine gewisse Meisterschaft im Blindenfußball, die das Team aus Marburg erst im 6-Meter-Schießen gegen die Mainzer Karnevalskicker gewann. Der dritte Platz ging an das Team aus Stuttgart. Die übrigen Plätze gingen in der Reihenfolge an Dortmund, Essen, Hamburg, Würzburg, Chemnitz und Berlin.

Seit Juni 2007 engagiert sich auch der Deutsche Behindertensportverband (DBS) aktiv im Blindenfußball. Deutschland bzw. der DBS möchte auch in dieser paralympischen Sportart eine Nationalmannschaft zu Wettbewerben aussenden. Nach einer offiziellen Stellenausschreibung wurden zwei professionelle Trainer gefunden, die mit der Bildung einer Nationalmannschaft beauftragt wurden. Ulrich Pfisterer (Cheftrainer) und Peter Schreiner (Teammanager) sind die Trainer dieser neuen Mannschaft, die im Blindenfußball international Deutschland vertreten wird. Bei ihrer ersten großen Aufgabe, die 5. IBSA Europameisterschaft im Blindenfußball in Athen (Ende Sept. 2007), mussten sich die deutschen Kicker aber mit dem siebten und letzten Platz zufriedengeben. Ihre drei Gruppenspiele verlor die deutsche Mannschaft mit 1:3 gegen die Türkei, 0:3 gegen Griechenland und 0:7 gegen Frankreich. Erstes und bisher einziges Tor für Deutschland schoss der Tübinger Stürmer Alexander Fangmann. Ende des Jahres 2007 zog sich der Teammanager Schreiner aus dem Blindenfußball zurück, wodurch die Geschicke der Nationalmannschaft allein in den Händen von Ulrich Pfisterer liegen.

Im März 2008 startete die vom DBS, DBSV und der Sepp-Herberger-Stiftung gegründete Blindenfußball-Bundesliga in die erste Saison. An drei Spieltagen wurde aus den teilnehmenden acht Mannschaften der Deutsche Blindenfußballmeister 2008 ermittelt. Als erstes Team in der Geschichte des Blindenfußballs sicherte sich die SSG Blista aus Marburg diesen Titel. Mit 15 Punkten aus sieben Spielen führten die Marburger vor Stuttgart, Dortmund, Essen und Mainz die Tabelle an. Auf den Plätzen 6-8 fanden sich am Ende die Teams SG Würzburg-Berlin, Chemnitz und der FC St. Pauli wieder. Austragungsorte waren neben Stuttgart und Dortmund auch die Hauptstadt Berlin.

Durch die Liga und das gestiegene Medieninteresse können sich immer mehr blinde Sportler für den Blindenfußball begeistern. Dieses hat zur Folge, dass die Anzahl der trainierenden Teams weiter zunimmt. Zahlreiche Workshops initiiert vom DBS und DBSV tragen hier ihren Teil dazu bei. So gründeten sich im Laufe des Jahres die Teams in Gelsenkirchen und in Köln, wodurch zum einen in Nordrhein-Westfalen mittlerweile vier Blindenfußballmannschaften ansässig sind und zum anderen die Gesamtzahl der Teams auf neun angestiegen ist.

Blindenfußball-Bundesliga

Mittlerweile wird in Deutschland sogar um Meistertitel im Blindenfußball gespielt!

Seit dem Jahr 2008 organisiert die Sepp-Herberger-Stiftung gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) sowie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die Blindenfußball-Bundesliga. Die europaweit einzigartige Spielrunde für blinde und sehbehinderte Menschen geht dabei für den Behindertensport beispielhafte Wege. In den Jahren 2011–2013 werden zehn Spieltage auf zentralen öffentlichen Plätzen mitten in der Stadt durchgeführt.

Blindenfußball - außergewöhnlich und spektakulär

„Mit der Neuausrichtung der BLINDENFUSSBALL-Bundesliga wollen wir einer breiten Öffentlichkeit zeigen, zu welch herausragenden Leistungen behinderte Menschen in der Lage sind. Wir wollen für die gesellschaftliche Integration beeinträchtigter Menschen werben – der Fußball kann hier mit seiner integrativen Kraft viel bewirken“, betont Karl Rothmund, DFB-Vizepräsident für Sozial- und Gesellschaftspolitik und Vorsitzender der Sepp-Herberger-Stiftung.

Blinde und sehbehinderte Menschen stehen mitten im Leben. Sie arbeiten, studieren – und sie spielen Fußball!

Zudem will die Serie dazu beitragen, dass immer mehr Menschen mit Beeinträchtigungen Zugang in die bundesweit rund 26.000 Fußballvereine finden. Beispiele aus der Vereinslandschaft zeigen, dass diese Integration möglich ist und gelingen kann. Dafür sind im Blindenfußball unter anderem der VfB Gelsenkirchen, der FC St. Pauli oder Eintracht Braunschweig hervorragende Beispiele.

Die Serie erhält dabei Unterstützung von höchster Stelle: Schirmherr der BLINDENFUSSBALL-Bundesliga ist Joachim Gauck, der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

"Blindenfußball ist eine faszinierende Spielart des Breiten- und Spitzensports Fußball. Der Kampf um den rasselnden Ball schafft Gemeinsamkeit und leistet so einen wichtigen Beitrag für unser Zusammenleben", betont Gauck.

"Der Blindenfußball zeigt uns, zu welch außerordentlichen Leistungen Menschen mit Behinderungen im Stande sind und trägt so zu mehr gegenseitigem Verständnis bei. Ich habe daher gerne die Schirmherrschaft übernommen", so der Bundespräsident.

Gespielt wird mit einem Rasselball auf einem 40 x 20 m großen Kunstrasenspielfeld. Es spielen jeweils vier Feldspieler und ein Torwart gegeneinander. Der Torwart selbst ist sehend. Durch Zurufe untereinander sowie von außen durch sogenannte Guides orientieren sich die Spieler auf dem Spielfeld.

Im Jahr 2012 zählt die Blindenfußball-Bundesliga zu den 365 ausgezeichneten Orten im Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“.

Blindenfußball in Berlin

In Berlin war es bisher aus personellen Gründen nicht gelungen eine Mannschaft, die in der Bundesliga mitspielen könnte, zu gründen. Daher gingen die Blindenfußballer vom LFC Berlin jeweils Spielgemeinschaften ein.

Wie schon in der letzten Saison bildet Berlin auch 2013 eine Spielgemeinschaft mit der

SG Braunschweig.. Die ursprünglich aus Personalgründen entstandene SG hat sich mittlerweile im Ligabetrieb bewährt, und ist zu einer technisch starken Mannschaft zusammengewachsen. Vor dem letzten Spieltag belegt die SG den siebten Tabellenplatz. “.

(Quellen: Sepp-Herberger-Stiftung, www.blindenfußball.de, Wikipedia, Reinhard Tank)

 

Die Tabelle vor dem letzten Spieltag am 14.09.2013

 

Team

Spiele

Pkt.

Tore

Teamfouls

1.

MTV Stuttgart 1843

6

16

13:3

4

2.

SF Blau-Gelb Blista Marburg

7

15

15:3

7

3.

SG PSV Köln/RBSSV Düren

7

13

10:9

4

4.

VfB 09/13 Gelsenkirchen

7

9

3:3

10

5.

ISC Vik. Dortmund-Kirchderne

7

9

10:13

12

6.

Chemnitzer FC

7

8

6:8

20

7.

SG Braunschweig/LFC Berlin

7

7

5:13

35

8.

FC St. Pauli von 1910

7

4

4:9

17

9.

BFW/VSV Würzburg

7

4

4:9

16

(Quelle: www.blindenfussball.de)

 

 

Die Spiele des letzten Spieltages am 14.09.2013, Schlossplatz, 70173 Stuttgart

 

32.

09:00

MTV Stuttgart 1843

:

VfB 09/13 Gelsenkirchen

-:-

33.

10:45

FC St. Pauli von 1910

:

Chemnitzer FC

-:-

34.

12:30

BFW/VSV Würzburg

:

ISC Vik. Dortmund-Kirchderne

-:-

35.

14:15

SG Braunschweig/LFC Berlin

:

SG PSV Köln/RBSSV Düren

-:-

36.

16:00

SF Blau-Gelb Blista Marburg

:

MTV Stuttgart 1843

-:-

(Quelle: www.blindenfussball.de)

 

Interessante Links:

http://www.sepp-herberger.de/Behindertenfussball

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/der-tag-des-blindenfussballs-wird-vor-grosser-kulisse-am-reichstag-gefeiert--der-spass-am-spiel-steht-im-vordergrund-hoeren--wo-der-gegner-steht,10 810590,10718124.html

http://www.ohrenblicke.de/podcast/nur-ein-ohrenblick-blindenfussball-vorm-reichstag

Lesenswert: Diabetes Programm Deutschland

Sport als Therapie – Diabetes Programm Deutschland

Aktuell: Melden Sie sich hier an. Bei Fragen stehen wir unter der Nummer 030 308338 7171 zur Verfügung.

 

Größte Laufbewegung für Diabetiker in Deutschland verbessert Stoffwechseleinstellung und Lebensqualität nachhaltig

Autoren: Dr. med. Peter Loeff1, Natascha Rosenbaum², Ulrike Thurm³

Das größte Diabetes-Laufprogramm Deutschlands, unter der sportwissenschaftlichen Federführung der Deutschen Sporthochschule Köln, der medizinischen Leitung des Diabeteszentrums am Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal und der IDAA, startet 2012 in sein zweites Jahr. Idee und Motivation des professionellen Lauftrainings war und ist es, Sport bewusst als Therapie bei Typ-2-Diabetikern und als Hilfe bei der Therapieanpassung und –sicherheit für Läufer mit einem Typ-1-Diabetes einzusetzen.

Herausragendes Merkmal des Diabetes Programm Deutschland ist die professionelle und ganzheitliche Begleitung der Teilnehmer. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen vorab einen umfassenden Gesundheitscheck mit Sporttauglichkeitsprüfung absolvieren. Anschließend erwartet sie ein individueller Trainingsplan, eine Leistungsdiagnostik, eine ausführliche Schulung zur Therapieanpassung bei körperlicher Aktivität, eine individuelle Ernährungsschulung und –beratung, zweimal wöchentliches Training mit ausgebildeten Lauftrainern in kleinen Gruppen über einen Zeitraum von sechs Monaten, eine fachärztliche Begleitung sowie ein Startplatz für eine Disziplin des Köln Marathon. Die Techniker Krankenkasse hat die Qualität der Schulung und Betreuung im Rahmen des Diabetes Programm Deutschland so hoch eingeschätzt, dass sie ihren Mitgliedern die Teilnahme als anerkanntes Schulungsprogramm gemäß §43 Abs. 1 Nr. 2 SGB V  erstattet. Auch andere Krankenkassen rückvergüten ihren Versicherten Teile des Beitrags.

Beim Köln Marathon 2011 gingen 84 der insgesamt 120 Teilnehmer mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes an den Start. Ohne Zwischenfälle erreichten nahezu alle Läufer das Ziel und zeigten sich im Anschluss hochzufrieden und überglücklich mit ihrer Leistung. Für die Kontrolle der Blutzucker- und Blutketonwerte vor, während und nach dem Lauf sorgten acht Teams aus Diabetologen, Diabetesberaterinnen und anderen, medizinischen Fachkräften.

Von den angemeldeten 120 Diabetikern, die zwischen Mai und Oktober 2011 regelmäßig trainiert haben, wurden die erhobenen medizinischen Daten im Anschluss ausgewertet. Die Erwartungen aller Beteiligten bezüglich der therapeutischen Effekte des Programms wurden 2011 weit übertroffen. Erfreulicherweise zeigte sich bei allen Teilnehmern mit einem Typ-2-Diabetes eine Gewichtsreduktion von im Mittel 2,7 kg (maximal -13 kg). Eine Reduktion des HbA1c-Wertes konnte durch die vermehrte sportliche Aktivität und vor allem durch die zusätzlichen Schulungen und kontinuierlichen Therapieanpassungen im Rahmen des Diabetes Programm Deutschland erreicht werden. Hier zeigte sich in der Gesamtgruppe eine HbA1c-Absenkung von 0,4 %. Bei den Typ-1-Diabetikern reduzierte sich das HbA1c um 0,22% (Schulungseffekt), bei den Typ-2-Diabetikern war die Reduktion mit 0,6 % durch das Medikament Bewegung ähnlich gut wie bei einem oralen Antidiabetikum. Maximal wurde bei einem Teilnehmer eine HbA1c-Absenkung von 7,5 % erreicht. Viele Teilnehmer mit einem Typ-2-Diabetes konnten ihre Medikamente (Insulin und/oder OAD`s) deutlich reduzieren und einige sogar ganz absetzen.

Nahezu alle Teilnehmer setzten ihr regelmäßiges Lauftraining auch über die Wintermonate fort und über sechzig davon haben sich in diesem Jahr wieder für das Programm angemeldet. Diese Nachhaltigkeit ist sicherlich der größte Erfolg und war den Veranstaltern Ansporn genug, das Programm 2012 auf weitere deutsche Großstädte auszudehnen. Inzwischen gibt es neben Köln und Bonn auch Laufgruppen in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt. Damit sind die Veranstalter ihrem Ziel, der Initiierung einer diabetischen Lauf- und Sportbewegung in Deutschland, ein entscheidendes Stück näher gekommen.

Weitere Informationen zu den Inhalten und Hintergründen des Diabetes Programm Deutschland finden Sie unter www.diabetes-programm-deutschland.de.

¹Diabeteszentrum am Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal

²Diabetes Programm Deutschland

³IDAA Deutschland e.V.

Lesenswert: Präventionssport natürlich auch für Menschen mit Behinderungen

Präventionssport für Menschen mit Behinderungen.

von Klaas Brose, Geschäftsführer Behinderten- Sportverband Berlin e.V.

Jeder von ihnen kennt Marianne. Geboren in Uckermünde begann sie 1977 mit dem Behindertensport. Um sich fit zu halten, denn sie war durch eine Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen. Heute füllen ihre sportlichen Erfolge Bücher und ihre Auszeichnungen ganze Wände. Seit den Paralympics in London  hängt eine weitere Silbermedaille bei ihr zuhause, und diese hat aufgrund der sportpolitischen Wirren um ihre Disziplin Diskus im Vorfeld der Spiele einen ganz besonderen Platz. Das Beispiel Buggenhagen zeigt, dass Prävention durch Sport wirkt. Tägliches Training, Regeneration, Reise, Trainingslager, Hotels und der nicht immer einfache Transport sind große Belastungen für den Körper. Und das über Jahre. Und Jahrzehnte. Ist Marianne Buggenhagen auch mal krank? Natürlich, wie jeder andere Mensch auch. Und dann wird sie wieder gesund, wie alle anderen auch. Ihr Körper und Geist ist außerordentlich leistungsfähig. Beim Treffen mit ihren alten Schulfreundinnen fragen die sich vielleicht nach dem Geheimrezept von Marianne Buggenhaben. Wie schafft sie es fit zu bleiben. Die Antwort darauf lautet: Prävention durch Sport.

Rehabilitation kennen Menschen mit Behinderung zu genüge. Es ist dann auch nicht verwunderlich, dass die Anzahl der Rehabilitationssportgruppen die des Präventionssports deutlich übersteigt. Dabei bietet der Sport unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB das Siegel Sport pro Gesundheit (www.sportprogesundheit.de). Vereine können sich als Leistungserbringer im Präventionssport zertifizieren lassen und diese dann  im Kurssystem  für unterschiedliche Indikationen anbieten . Die Kostenträger erstatten dann in der Regel 80% der Gebühren, die verbleibenden Gebühren verbleiben bei der Teilnehmerin oder Teilnehmer.  Die Vereine des Behinderten- Sportverbandes bieten ebenfalls den durch die Kostenträger bezuschussten Gesundheitssport Sport pro Gesundheit an und sind durch ihre Erfahrungen im Behindertensport natürlich besonders empfehlenswert für Menschen mit Behinderung. Gesammelt finden sich alle Angebote dann unter dem Dach des Landessportbundes LSB wieder und werden in der jährlichen Gesundheitssportbroschüre des LSB veröffentlicht. Die Präventionssportangebote haben verschiedene Schwerpunkte wie Herz- Kreislauftraining oder Entspannung und sind generell auch offen für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und sollten im Sinne der Inklusion viel deutlicher auf den Mehrwert der Prävention auch für Menschen mit Behinderung hinweisen.  Marianne allerdings muss erst mal nicht auf die Suche gehen. Ihre Trainer kümmern sich um ihre Trainingspläne und dem richtigen Verhältnis zwischen An- und Entspannung und sorgen für die entsprechende Regeneration. Aber wenn sie vielleicht mal nicht mehr Paralympischen Spitzensport betreibt, wird sie es tun. Ganz sicher. Denn Prävention durch Bewegung gehört zu ihrem Lebenskonzept. Und das ist ziemlich erfolgreich.

Klaas Brose

Lesenswert: Das Kreuz mit dem Rücken

Das Kreuz mit dem Kreuz.

Eine kleine philosophische Rückenkunde

Von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

 

Was wären wir ohne die tragende Kraft unseres Rückens. Er hat uns aufgerichtet, mit dem aufrechten Gang sind wir Menschen geworden. Erst nachdem wir die Hände freibekommen hatten, waren wir in der Lage, zielgerichteter tätig zu werden, Hand und Kopf zu verbinden. Die Evolution entfernte uns vom Tierreich, bis wir schließlich mit Kultur und Zivilisation zu uns fanden. Der Rücken hatte es möglich gemacht. Und da mag es rückschauend wie eine Ironie der Menschheitsgeschichte anmuten, dass der Rücken unter eben dieser Zivilisation zu leiden hat wie kaum ein anderer Teil unseres Körpers. An dem glücklich errungenen Fortschritt hat er im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu tragen. Nicht nur Fehlhaltungen bei der Arbeit, mangelnde Bewegung, Übergewicht oder große Lasten, die wir ja nur noch gelegentlich heben müssen, machen ihm zu schaffen. Auch der Stress, psychischer Druck, Mobbing und andere Ängste mehr, alles, was die Hektik des modernen Alltags mit sich bringt, bekommen wir im Kreuz zu spüren.

Gefühle verändern die Muskelspannung. Menschen, die „die Zähne zusammenbeißen“, verspannen sich im Bereich der oberen Halswirbelsäule. Wer viel ertragen muss, viel „auf dem Buckel“ oder die „Angst im Nacken“ hat, hebt unbewusst die Schultern. Manchem wird „das Kreuz gebrochen“, andere „ziehen den Schwanz ein“ und versteifen im unteren Rückenbereich. 70 Prozent der Rückenleiden haben keine klare Diagnose. Feststeht nur, dass es in über 80 Prozent der Fälle akuter Rückenschmerzen muskuläre Verspannungen sind, die ursächlich wirken, während die vielfach vermuteten Verschleißerscheinungen gerademal mit 10 und die Bandscheibenvorfälle gar nur mit 4 Prozent zu Buche schlagen.
Verantwortlich dafür ist die enge Verbindung der Muskulatur mit unserem limbischen System, dem „Gefühlsorgan“ des Gehirns. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass bei 80-90 Prozent der Patienten die chronischen Rückenschmerzen mit leichten depressiven Zuständen verbunden sind.

Das alles weiß man, gewiss. Hier wird kein Geheimnis gelüftet, keine Erkenntnis verkündet, die verwundern oder gar überraschen müsste. Erstaunen muss nur der Umstand, dass dieser Erkenntnis in der Praxis so selten Rechnung getragen wird. Sollte das vielleicht daran liegen, dass es dazu tieferer Einsichten bedürfte, als sie die Verfahren hochentwickelter Medizintechnik eröffnen können? Die Vermutung zumindest ist naheliegend, denkt man daran, dass wir es heute mit einer vorrangig naturwissenschaftlich geprägten und körperorientierten Medizin zu tun haben. Was die modernen High-Tech-Geräte so präzise zeigen, sind aber oft und insbesondere beim Rücken nur Darstellungen der Folgen, nicht der Ursachen, auch nicht des komplexen Zusammenspiels von Muskeln, Sehnen und Bändern sowie der feinen Nervenverbindungen zu den inneren Organen. Funktionelle Beschwerden lassen sich weder bildlich noch labormäßig erfassen. Hier bedarf es anderer Methoden und historischer Einsichten. Ist doch der Rückenschmerz zumeist ein Krankheitsphänomen, das aus dem unmittelbaren Aufeinandertreffen von Vorgeschichte und Gegenwart resultiert. Denn noch immer reagieren wir auf aktuelle Bedrohung und Überforderung mit der gleichen Abwehrhaltung wie unsere Vorfahren: Der Rücken spannt sich, wir sind auf dem Sprung, muskulär disponiert für die Flucht oder den Angriff. Da wir aber, zu Menschen geworden und zivilisatorisch gezügelt, nicht mehr wirklich wegspringen können, keine Chance besteht, die Spannung in der Aktion zu lösen, manifestiert sich die spontane Reaktion zum schmerzhaften Dauerzustand. Und damit nicht genug. Um die Pein zu vermeiden, nehmen wir unbewusst eine Schonhaltung ein. Es kommt zu einseitiger Belastung mit neuer Anspannung. Selbst weiter entfernt liegende Muskelgruppen oder Organe bekommen das zu spüren; chronische Schmerzzustände können so entstehen.

Was dann in der Regel folgt, ist die rein körperliche Untersuchungen. Und wo das zu keiner eindeutige Diagnose führt, da dient die ärztliche Vermutung zum Ansatz der Therapie. Ihr Ziel ist häufig der schnelle Sieg über die Symptome, über den Schmerz. Doch das alles bleibt, so nötig und hilfreich es sein mag - und abgesehen auch von Lähmungen oder großen Bandscheibenvorfällen, die meist als Notfälle operiert werden müssen -, nur allzu oft Stückwerk, ein Erfolg von begrenzter Dauer, solange es nicht gelingt, zu den tieferen Ursachen vorzudringen. Nur jeder dritte Patient hat nach sechs Monaten Therapie weniger Schmerzen, und dann auch nur um ein Drittel weniger.
Eine Änderung der inneren Haltung, die auf Erkenntnis des Problems fußt, würde Linderung schaffen und den Heilungsprozess unterstützen. Nur wer die Ängste oder die Lasten kennt, die unseren Rücken verspannen, kann die verkrampfenden Auswirkungen lindern. Die ständige Fehlhaltung am Computer zum Beispiel lässt sich nicht wegoperieren, sie muss geändert werden. Dieser Ansatz würde uns manche Behandlung ersparen, den Ärzten wie den Patienten. Eine Vielzahl der Bandscheiben- und Versteifungsoperationen, die jährlich in Deutschland durchgeführt werden, wäre vermeidbar, wenn es uns endlich gelänge, eine ganzheitliche Behandlung zum Standard der Rückenmedizin zu machen. Davon aber sind wir weit entfernt. Immer noch wird eines der größten Volksleiden überwiegend somatisch, nicht auch psychosomatisch oder gar psychosozial betrachtet und behandelt. Viel zu sehr haben wir uns daran gewöhnt, den Körper mechanistisch zu verstehen, als ein handwerklich reparables Räderwerk. Die Geschichte des Rückens aber ist eine andere. Die Haltung, die wir ihm körperlich wie emotional verdanken, bedarf psychischer und sozialer Stärkung. Wo diese Kraft fehlt, drohen wir in einer gleichsam umgekehrten Evolution zu degenerieren. Die Verkrampfung, das unverstandene Reagieren wird zum Normalfall, der aufrechte Gang vom Leben gebeugt.

Schwarze Gedanken, zivilisationsmüder Pessimismus? Mitnichten, sieht man, dass es nicht mehr nur die Älteren sind, die über das Kreuz mit dem Kreuz klagen. Auch 68 Prozent der Zehn- bis Sechszehnjährigen haben heute bereits Rückenprobleme. Noch vor wenigen Jahren wäre das unvorstellbar gewesen, ebenso wie die Tatsache, dass die Zahl der Rückenerkrankungen überhaupt stetig ansteigt, um 25 Prozent allein in den letzten 10 Jahren, die die neueste Erhebung der Betriebskrankenkassen umfasst. Keine andere Zivilisationskrankheit, von den Folgen des Bluthochdrucks abgesehen, hat unterdessen derartige Ausmaße erreicht. Schier unübersehbar sind die volkswirtschaftlichen Auswirkungen. 23 Milliarden jährlich kosten die Behandlungen, Tendenz steigend. Nicht zu reden von den 27 Milliarden, die durch rückenbedingte Arbeitsunfähigkeit anfallen. Auch von daher ist es höchste Zeit umzudenken, in der Medizin wie in der Gesundheitspolitik.

Wo und wann immer Rückenschmerzen auftreten, bedarf es einer ganzheitlichen Analyse und eines Behandlungskonzepts von „leicht nach schwer“. Gefordert ist zuerst das solidarische und multidisziplinäre Zusammenwirken von Hausarzt, Krankengymnasten, Osteopathen, Manual- und Sporttherapeuten, Naturheilkundlern und Therapeuten psychischer Disziplinen. Erst danach ist der invasive Ansatz zu wählen, seien es Injektionen, Mikrotherapie oder Operation. Doch auch das wäre noch nicht genug. Dazukommen müssen vorbeugende Maßnahmen, nationale Vorsorgeprogramme mit Fitnesskampagnen und einer Aufklärung, die schon bei den Kindern in den Schulen ansetzt.

Der Rückenschmerz muss nicht länger der Preis für den glücklich errungenen Fortschritt sein. Nicht, wenn wir die Errungenschaften der Zivilisation von der Philosophie bis zur Technik – all das, was wir der tragenden Kraft unseres Rückens verdanken - zu einem Netzwerk ganzheitlicher Medizin zu verbinden, mit Schulmedizin und Naturheilkunde, mit Herz und High-Tech. Der aufrechte Gang sollte uns das wert sein. Unser Rücken hat es verdient.

Quelle: www.dietrich-groenemeyer.com

Foto: Grönemeyer

BU: Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer ist spezialisiert auf die ambulante und interdisziplinäre Behandlung des Rückens und der Wirbelsäule.  Weitere Informationen:

www.groenemeyer-institut.com/