Berlin Tour der „Aktion Mensch“


Im Rahmen der Kampagne „Inklusion durch Sport“ wurden durch Fördermittel der „Aktion Mensch“ 2015 und 2016 viele tolle Projekte in verschiedenen Berliner Sportvereinen ermöglicht.

Einmal im Jahr besucht der Bereich Mikroförderung der „Aktion Mensch“ eine Stadt in Deutschland, um sich vor Ort geförderte Projekte anzusehen, und sich über Erfolge, aber auch Probleme in den Projekten auszutauschen.

In diesem Jahr wurde die Hauptstadt Berlin als Ziel ausgewählt, der Fokus lag auf der Besichtigung geförderter Sportprojekte. So stand an Tag eins der Besuch des „Sportclubs Lebenshilfe“ und des Vereins „Pfeffersport“ auf dem Programm.

Durch die Förderung der „Aktion Mensch“ konnte der „Sportclub Lebenshilfe“ in Kooperation mit der gemeinnützigen Firma GETEQ (Gesellschaft für teilhabeorientiertes Qualitätsmanagement mbH) als erster Sportverein am nueva-Projekt „NutzES – Nutzer-Evaluation im Sport“ teilnehmen. Das Besondere am nueva-Modell ist, dass hier Nutzerinnen und Nutzer die Experten sind, d.h. die Dienstleistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen werden von denen beurteilt, die sie auch tatsächlich nutzen. Diese Art der Nutzer-Evaluation ist im Bereich der Befragung von Mitgliedern von Sportvereinen absolutes Neuland. Durch die Befragung auf Augenhöhe von ebenfalls beeinträchtigen Menschen kann authentisches Feedback garantiert werden.

Stefan Schenck, Geschäftsführer der GETEQ, präsentierte der „Aktion Mensch“ Delegation u.a. verschiedene Fragebögen, die Ergebnisse der Evaluation und die Rückschlüsse, die daraus gezogen wurden. Zunächst ging es dabei um die Frage, was es wirklich bedeutet, wenn ein Sportkurs voll ist – sind die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wirklich zufrieden, oder gibt es für sie vielleicht nur keine alternativen Sportangebote?

In der Evaluation selbst wurden die Fußballgruppen des SCL Sportclub Lebenshilfe befragt, z.B. darüber, ob sie die Namen ihrer Mannschaftsmitglieder kennen, ob sie bereits Kontakt zu dem Athletensprecher hatten oder wie zufrieden sie mit dem Übungsleiter sind. Die Ergebnisse offenbarten: nur wenige kennen die Namen ihrer Teammitglieder, Kontakt zu dem Athletensprecher gab es nur in den seltensten Fällen. Als konkrete Reaktion hat man deshalb u.a. folgende Maßnahmen gemeinsam mit den beteiligten Sportlern entwickelt: die Beschaffung eines Diensthandys und die Einrichtung einer E-Mail-Adresse für den Athletensprecher, oder aber die zusätzliche Wahl einer weiblichen Aktiven-Sprecherin, die sich um die Belange der Sportlerinnen kümmert.

Die Befragung hat letztlich gezeigt: echte Inklusion kann nur gelingen, wenn Menschen mit Beeinträchtigung daran beteiligt werden, Sportangebote zu planen und zu organisieren, so wie es auch die UN-Behindertenrechtskonvention in Artikel 30 Absatz 5 d fordert.

 

Im Anschluss folgte ein Besuch bei „Pfeffersport“. Der Geschäftsführer Jörg Zwirn, sowie Oliver Klar (Koordinator Inklusion) und Marc Schmid, zuständig für das Fundraising und PR, hießen die Delegation willkommen. Zunächst wurden die von der „Aktion Mensch“ unterstützten Projekte „Wheel-Soccer-Cup“ und „Starkes Team“ präsentiert.

Bei der Mannschaftssportart Wheel-Soccer wird ein Pezzi-Ball per Hand oder aber mit dem Rollstuhl gestoßen, um so ein Tor zu erzielen. Wheel-Soccer ist im Vergleich zu Rollstuhl-Basketball weniger hart, die Regeln sind unkompliziert, und so ist die Sportart für jedermann geeignet, egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Genauso sind auch Elektro-Rollstuhlfahrer und Fahrerinnen oder Menschen mit wenig Eigenaktivität, die geschoben werden können, willkommen. Am 3. und 4.9.16 fand im siebten Jahr der bundesweite Wheel-Soccer-Cup 2016 in der Max-Schmeling-Halle Berlin statt – und es war wieder ein voller Erfolg!

Das Projekt „Starkes Team“ wurde aufgrund der stetig steigenden Zahl von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Modellprojekts organisiert „Pfeffersport“ inklusive Feriencamps, um der Problematik von immer mehr verhaltensauffälligen Kindern entgegenzuwirken. Durch niederschwellige Angebote wie etwa Rollstuhlsport, Parcours oder Ballsportarten sollen Spaß am Sport vermittelt und Erfolgserlebnisse ermöglicht werden. Ebenso soll versucht werden, die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder zu stärken. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Kinder wieder an „normale“ Sportgruppen heranzuführen.

Daraufhin gab es einen offenen konstruktiven Austausch zwischen der „Aktion Mensch“ und den Mitarbeitern von „Pfeffersport“: U.a. lobte Marc Schmid die „... Unkompliziertheit der Antragsstellung bei der Aktion Mensch.“ Ideen und Wünsche über neue Projektfördermöglichkeiten wurden ausgetauscht sowie das Problem der zeitlich begrenzten Projektförderung diskutiert.

Zum Abschluss besuchte die Delegation noch die Inklusionsgruppe „Rollikids“, ebenfalls zu Hause bei „Pfeffersport“. Hier sind alle Kinder ab 4 Jahren herzlich willkommen, Elektrorolli oder handbetriebener Rollstuhl ist dabei egal. Bei den „Rollikids“ konnte zum Beispiel bei einem Fangspiel zugeschaut. Durch ebensolche kleinen Spiele und andere Herausforderungen sollen die Kinder und Jugendlichen erste Erfahrungen mit dem Rollstuhl machen, ihre Fahrfertigkeiten oder Rollstuhltechniken trainieren und so letztlich ihre Mobilität im Alltag verbessern. Aber auch hier gilt: Der Spaß steht immer im Vordergrund!

Auch am zweiten Tag stand für die Delegationsgruppe der „Aktion Mensch“ aus Bonn, eine interessante Tour, quer durch Berlin, auf der Agenda.

Erste Station war der Besuch der Bogensportanlage des „Bogensportclub Berlin-Brandenburg“. Vereinspräsident Alfred Grzondziel zeigte stolz die seit Mai eröffnete Anlage. Mit Hilfe der Fördersumme von „Aktion Mensch“, war es möglich die Schützenmatten zu verlegen. Diese sind für einen sicheren Stand bei jedem Wetter und der Standmarkierung für die Sportler von Bedeutung. Mit Thomas Höhnerbach (Rollstuhl) und Carsten Otto (Sehbehinderung) waren zwei aktive Bogensportler vor Ort, welche vom üblichen Aufwärmprogramm bis hin zum Schießen alles präsentierten. Aktuell trainieren mit Ihnen noch bis zu 8 weitere Handicapsportler ein Mal die Woche im Verein. Der krönende Abschluss war, dass jeder sich selbst im Zielen, probieren durfte. „Ich war schon überrascht, wie viele Mitarbeiter der „Aktion Mensch“ vor Ort waren. Prima war auch, dass uns noch sehr gute Hinweise über die Antragstellung und andere Fördermöglichkeiten mitgeteilt wurden.“, lobte Alfred Grzondziel.

Danach folgte ein Besuch bei der Rollstuhltennis Abteilung der „Zehlendorfer Wespen“. Auf der sehr großzügigen Anlage begrüßte Dr. Beate Loddenkemper ihre Gäste. Sie stellte den Verein mit seiner Geschichte, den Abteilungen und der aktuellen Mitgliederstruktur und dem Training vor. Mit dabei war auch die Rollstuhltennis-Spielerin Hannah-Louisa Schmidt. Mit Begeisterung brach sie eine Lanze für den Behindertensport und konnte ganz aktuelle Erfahrungen aus Rio präsentieren. Sie war zwar nur als Zuschauerin vor Ort, konnte trotzdem das Flair aufnehmen.

Dr. Loddenkemper führte alle dann zum neu geschaffenen Weg zwischen den Tennisplätzen auf der Außenanlage. Vorher war dieser nur durch Sand befestigt. Probleme hatten die Rollifahrer besonders bei Nässe, da dieser Weg aufgrund des Matsches dann nur sehr schwer zu durchfahren war Nun ziert ein schöner gepflasterter Weg das Areal. Hanna Schmidt demonstrierte allen, wie einfach es jetzt ist, den Weg zu passieren. Zusammen mit Sportkollege und Nationalmannschaftsmitglied Steffen Sommerfeld, durften alle ein kleines Match zum Abschluss erleben. Hier wurde allen deutlich, dass es nicht nur galt Ball und Schläger zu beherrschen, sondern auch den Rollstuhl.

Die letzte Station führte zu den „Karower Dachsen“. Kirsten Ulrich  begrüßte alle in der Geschäftsstelle des Vereins. Hier zeigte Sie per Video, welche Projekte in der Vergangenheit, mit Hilfe von der „Aktion Mensch“ Förderung unterstützt wurden.

Zu den Projekten zählten: „Lauf dich frei“, „Lauftandem“, „Run up for Inklusion“, 1. Pankower Inklusionssportfest, Inklusionsfackellauf, Inklusionswoche (IWO) Pankow und Berlin

„Eine sehr schöne Aktion, diese Zusammenkunft, so hat man endlich die Möglichkeit persönlich Danke zu sagen!“

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